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Impressionen Chinas mit Yangtze

Planmäßige Ankunft morgens auf dem neuen Flughafen von Peking. Was für eine großartige, monumentale Architektur! Ich kann es kaum glauben, aber ich bin in China, genauer gesagt, in der 14-Mio.-Metropole Beijing, wie sich die Stadt offiziell nennt.

So verschlafen wie wir waren, durften wir auch gleich mit der peniblen Genauigkeit der Chinesen bekannt machen, die uns noch während der Reise zum Halse raushängen sollte... Es wurden nicht nur die Einreisezettel auf das genauste überprüft, sondern ernsthaft auch die Gesichter gecheckt. Irgendwie kamen wir uns jedenfalls total überwacht vor, was vielleicht auch an dem eiskalten stechenden Blick lag, mit dem ein jeder gemustert wurde...

Dann ging es via Skytrain durch den gesamten Flughafenkomplex, der bisher kaum in Betrieb genommen ist, zur Kofferausgabe, wo wir auch sogleich auf unsere Reisegruppe für die nächsten 14 Tage trafen. Auch stellte sich unser ständiger Reiseführer Zhou (Joe) vor. Ein junger Chinese (26 Jahre alt) aus Xian, der uns in einem guten Deutsch willkommen hieß. Ebenfalls lernten wir unsere lokale Reiseführerin für die nächste 3 Tage in Peking kennen, eine Dame, deren Namen ich bis heute nicht weiß, die aber den leichten Ansatz von Haaren auf den Zähnen hat. Jedenfalls spielte sie sich dermaßen in den Vordergrund, dass man hätte meinen können, sie wäre für uns im Namen von DerTour verantwortlich. Sie schnitt Joe grundsätzlich buchstäblich das Wort ab und unterdrückte ihn rhetorisch, wo sie nur konnte. Eben topp geschult. Natürlich sprach auch sie ein astreines Deutsch mit einem Wortschatz, wo so mancher Deutscher froh wäre, diesen zu besitzen. Sie versuchte unaufhörlich uns ihr großes Wissen über Peking interessant zu vermitteln.

Als erstes wurden wir mit einer kleinen Reiseplanänderung überrascht: statt uns zum Hotel zu bringen, wo man sich Frischmachen und die Klamotten wechseln könnte, sollte es direkt mit dem Programm losgehen. Wie gut, das ich auf Reisen immer Waschzeug nebst Zahnbürste mit mir trage und der Zwiebelmanier fröne. So hatte ich mich vor dem Empfang der Koffer bereits Frischmachen und mich aus den ersten Hüllen meiner wärmeren „Flugklamotten“ schälen können. Außer das ich etwas übermüdet war, ging es mir gut und die Unternehmungslust stieg, als wir erfuhren, dass es mit der Besichtigung des Neuen Sommerpalastes losgehen sollte. Die Koffer wurden am Flughafen also direkt weitergeleitet, sodass diese bereits ins Hotel gebracht werden konnten und schon ging der 1. Trip los!

Der Weg führte uns quer durch die Stadt und wir erfuhren und sahen, wie sich Peking auf die Olympiade 2008 vorbereitet. Monumentale Bauwerke aus Stahl und Glas in futuristischen Designs, die vorwiegend Hotels beherbergten. Aber auch das Schwimmstadion, was in der Form dem Kopf eines Wasserbüffel gleicht, dann die vielfältige Straßenbepflanzung... überall wuseln Menschen, bestrebt, die Olympiade schon mal optisch einen Erfolg werden zu lassen.

Dann kamen wir an unserem Ziel, dem Neuen Sommerpalast, an. Wir wurden noch gründlich auf mögliche Risiken wie Falschgeld und Taschendiebe hingewiesen und ab ging es in das Gewühl von Menschen.

Menschen.... genau das richtige Stichwort! Wer glaubt, Schnäppchenjagd zum Sommerschlussverkauf in der Kölner Innenstadt sei voll, der soll sich dieses Spektakel einmal ansehen. Menschen, wohin man nur schaut. „menschenfreie“ Fotos zu schießen, scheint unmöglich zu sein! Von allen Seiten hört man ununterbrochen das Summen und Klicken diverser Kameras.

Wenn man das eigentliche Kulturerbe wegen alles verdeckender Menschentrauben so schnell nicht zu Gesicht bekommt, ist es herrlich, die vielen fröhlichen Chinesen zu beobachten. Niedliche Jungen und Mädchen in ihren Schuluniformen spielen vergnügt, alte Menschen mit interessanten Gesichtern oder erschreckenden Zähnen, die ohne Scheu lauthals lachen, sich für das Familienfoto in Pose werfende Familien, singende oder zu chinesischen Klängen tanzende „Künstler“. Ein buntes Treiben, was immer wieder neu fasziniert.

Aber zurück zum Sommerpalast: er zählt zu den Höhepunkten der chinesischen Gartenkunst, obwohl er mehrfach zerstört und wieder neu errichtet werden musste. Er ist heute einer der großen Besuchermagneten in der chinesischen Hauptstadt.

Kaiser Qianlong ließ ihn 1751-1764 für eine Gesamtsumme von 4,8 Mio. Silbertael als Geschenk zum
60. Geburtstag seiner Mutter errichten. Die 290 ha große Anlage entstand auf dem Gelände des seit 1153 bestehenden ehemaligen Gartens des Goldenen Wassers und war der bevorzugte Aufenthaltsort des Kaiserhofes in den feucht-heißen Sommermonaten. Die Gebäude zählen zu den Meisterwerken chinesischer Architektur, der Park zu den beeindruckendsten chinesischen Landschaftsgärten. Wie sein älteres Pendant (Alter Sommerpalast) weiter östlich fiel auch der Neue Sommerpalast der Vergeltungsaktion im Zuge des 2. Opiumkriegs zum Opfer und wurde am 17. und 18. Oktober 1860 von einem anglofranzösischen Invasionsheer zerstört.

Anders als dieser wurde er jedoch auf Initiative der Kaiserinwitwe Cixi und des Chefs der Kaiserlichen Marine, Prinz Yi Xuan, in der Zeit von 1885 bis 1895 wieder aufgebaut. Die Finanzierung erfolgte durch Abzweigung von eigentlich für den Flottenausbau bestimmten Geldern, woran heute noch das berühmte Marmorboot im Palastsee erinnert. Im Zuge der Niederschlagung des Boxer-Aufstands 1900 wurde der Neue Sommerpalast ein weiteres Mal von den Engländern als Vergeltung zerstört und danach erneut aufgebaut. Nach seiner Schließung 1908 durch die Witwe von Kaiser Guangxu wurde er 1924 wieder eröffnet. Einen Besuch konnten sich aber wegen anfangs exorbitant hoher Eintrittspreise nur wenige leisten. Heute ist der Sommerpalast ein Besuchermagnet und zählt zu den frequentiertesten Sehenswürdigkeiten der chinesischen Hauptstadt.

Besonders reizvoll ist der 728 m lange Wandelgang. Er besteht aus 273 verbundenen Säulenpaaren und mehreren Pavillons, eine einzigartige Kombination aus überdachtem Weg und Kunstgalerie, dessen Architrave mehr als 8000 Bilder schmücken. Die Motive zeigen geschichtliche und mythologische Szenen oder Landschafts-, Vogel- und Blumenmotive. Das „Leitthema“ der gesamten, teilweise auch von Tibet inspirierter Architektur ist neben dem „Himmel die Langlebigkeit“, männlicher Nachwuchs und Reichtum. Allerdings erfuhren wir im Verlauf der Reise, das diese
3 Glücksideale in jedem Garten das Leitthema sind...

Wie in den meisten chinesischen Gärten und Parks haben auch hier Gebäude einen hohen Stellenwert. Entlang des Ufers des Kunming-Sees sowie der sich nördlich davon erstreckenden Hügelkette verteilen sich u. a. folgenden Bauten:

  • das Osttor,
  • die Halle des Wohlwollens und der Langlebigkeit, wo Kaiser Guangxu ausländische Diplomaten empfing, sich hierbei aber unter ständiger Überwachung der hinter einem Wandschirm verborgenen Kaiserinwitwe Cixi befand, der faktisch mächtigsten Person im Staate,
  • die Halle der Jadewellen,
  • die Halle des Aromas, wo Guangxus Gemahlin Longyu wohnte,
  • der Garten der Tugend und Harmonie mit dem 21 Meter hohen Theaterbau und der Halle der Erheiterung,
  • die Halle der Freude und Langlebigkeit,
  • die Halle, wo man den Pirolen lauscht, ehemals ein Operntheater,
  • die Wolkenzerstreuende Halle,
  • der 728 m lange Wandelgang,
  • der Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs,
  • der Pavillon der Kostbaren Wolken, der wie ein Holzbau aussieht, aber gänzlich aus Bronze besteht und 200 Tonnen wiegt,
  • der Pavillon der Vier Großen Kontinente,
  • das Marmorschiff, ein auf das Wasser gebauter Aussichtspunkt zum Betrachten des Kunming-Sees,
  • die Mehr-Schätze-Pagode,
  • die Siebzehn-Bogen-Brücke,
  • die Jadebandbrücke,
  • der Garten der Harmonie und des Vergnügens, ein sog. Garten im Garten, der im Unterschied zu den übrigen Parkteilen im südchinesischen Stil gestaltet ist.
  • der Nachbau eines Kanals mit Geschäften aus Suzhou

Danach ging es, langsam von den vielen Informationen, übermüdet zum Mittagessen, was sich als kulinarische Herausforderung erwies. Natürlich bekamen wir keine gedünstete Katze süß/sauer vorgesetzt, sondern Huhn, Schwein und Fisch. Aber der Geschmack... nun, einwenig erinnerte er an den Chinesen zu Hause um die Ecke und dann doch wieder ganz anders. Mit Sojasoße und Chilipaste konnte noch nach bedarf nachgewürzt werden. Und natürlich lagen Stäbchen auf dem Tisch und wir wurden demzufolge erst mal einem Grundkurs in Sachen „essen mit Stäbchen“ unterzogen. Wie gut, dass neben unserem Mini-Teller auch eine Gabel lag! Alles wurde je nach Speise in einzelnen Schalen/Schüsseln gleichzeitig auf der sich drehende Tischplatte serviert und somit sollte sich jeder am Tisch mit seinen Stäbchen direkt von den Schalen/Schüsseln bedienen. Am Anfang erschienen uns diese Tischsitte etwas ungewöhnlich, aber man überwand recht schnell seinen Schweinehund und aß fleißig zeitgleich mit seinem Nachbarn von derselben Platte... Nur gelang dies unter Einsatz der Stäbchen zunächst weniger gut, was sich im weiteren Verlauf der Reise aber noch ändern sollte.

Dann kam der Aufbruch zu unserem Hotel, dem Jinqiao Apartment Hotel, wo wir endlich unsere Zimmer in Empfang nehmen konnten. Geräumige 2-Zimmerappartments inkl. kompletter Küche mit Waschmaschine, Gefrierschrank und 2-Platten-Herd. Alles super sauber. So fielen wir recht früh, kaum noch aufnahmefähig ins Bett.

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