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Pünktlich um 6:15 Uhr war die Nacht vorbei, genau der richtige Moment um den heutigen Sonnenaufgang miterleben zu können. Ich werde mich an diesem Schauspiel niemals satt sehen.

Um 8:30 Uhr war dann Abfahrt zu der 75 Km entfernt gelegenen Seronera Lodge. Eigentlich war für den Morgen noch eine Beobachtungsfahrt zwischen den berühmten Kopjes, den wahllos hingestreuten Felshaufen mit gigantischen Ausmaßen, geplant gewesen, aber aus Mangel an Tieren entschied sich unser Bus zum direkten Aufbruch. Diesmal aber gemütlich und wann immer uns der Sinn nach einem Stopp stand, wurde auch ein Fotostopp eingelegt. Vorerst gab es aber wenig Neues. Giraffen, Springböcke, Kuhantilopen, eben das Übliche. Keine Elefanten, Geparden oder gar Nashörner. Wir hatten uns die Serengeti irgendwie anders vorgestellt gehabt. Obwohl alles sehr grün war, (das Gras der Savanne stand hoch und saftig) stießen wir auf kein einziges Zebra oder Gnu. NICHTS! Allerdings hatten wir andere, uns wenig Gutes gesonnene Tiere zu Hauf im Bus: Tsetsefliegen! Wie gut, dass eine Fliegenklatsche mit an Bord war, so kam es wenigstens zu Verlusten auf beiden Seiten. Ich selber hatte soweit Glück gehabt, nur ein einziges Mal gebissen zu werden, Sabi hingegen hatte weniger... sie hatte bei 8 Bissen mit dem Zählen aufgehört. Solch ein Biss tut nicht nur höllisch weh und kann die Schlafkrankheit auslösen auch kann es, wenn solch ein Vieh sich gut bedient hat, zu einer richtigen Quaddel auf der Haut kommen. Eine Fliege hatte Sabi direkt auf der Wange erwischt. Ein Bluttropfen quillte noch hervor, der Herd wurde leicht rot und schwoll auch etwas an... Es wurde aber Gott sei Dank nicht mehr daraus. Gegen Autan schienen die Viecher jedenfalls immun zu sein, vielleicht lag es doch an meinem Teebaumöl, mit dem ich mich am Morgen noch kräftig eingerieben hatte, so dass ich wie ein übergroßer Koala stank, jedenfalls wurde ich doch etwas mehr von den Bestien verschont.

Nichtsdestotrotz ging die Fahrt weiter. Am Himmel wurde ein große Anzahl von Geier sichtbar, die beharrlich ihre Kreise zogen und gelegentlich zur Landung ansetzten. Was das bedeutete, war klar: AAS! Nur, ob wir auf das tote Tier stoßen würden und ob es nun auch noch so liegen würde, dass wir es nicht nur riechen sondern auch sehen würden... tja....

Dann führte uns der Weg zu einem Flusslauf und wir staunten: ein totes Hippo lag schon etwas angeknabbert im Lauf. Darauf zelebrierte ein Geier sein Festessen... Er spielte sich seinen noch wartenden Kollegen gegenüber mächtig als Chef auf, so dass vorerst kein weiterer in den Genuss des Gelages kam. Allerdings konnte er auf die Dauer seine Artgenossen nicht unter Kontrolle halten und so musste er immer wieder mit viel Gezeter platz machen... Es war der helle Wahnsinn, das ganze Spektakel um das tote Flusspferd spielte sich genau vor unseren Augen ab. Sie zerlegten das Hippo Stück für Stück weiter und bekamen sich auch genauso weiter in die Federn, wobei immer wieder erneut die Rangordnung festgelegt wurde. Als wir mit unserem Bus durch den Flusslauf direkt an dem toten Hippo vorbei mussten, erfüllte ein Gestank von Aas und Tot unsere Nasen... igitt!

Unsere Fahrt führte uns nun zu einem Aussichtspunkt, von wo wir das Spektakel von geringer Entfernung aus ungestört beobachten konnten. Dabei sahen wir auch die Krokodile, die wohl für die Ausweidung des Flusspferdes gesorgt hatten.

Dann ging es weiter, denn ein ganzer „Hippo-Pool“ galt es zu besuchen. Einige hundert Flusspferde jeder Alterstufe schnauften, prusteten und grunzten im Flusslauf, dass einem Hören und Sehen verging. Wir durften unseren Bus verlassen und konnten uns an dem gegenüber steil abfallenden Ufer niederlassen um fasziniert dieser Masse beizuwohnen. Sie tauchten ab, stritten mit den Nachbarn oder nahmen ein Sonnenbad. Jedenfalls war jede Menge Bewegung im Wasser.

Sodann ging die Fahrt unspektakulär Richtung Lodge weiter. 500 m vor dem Ziel kamen wir zu einer großen Akazie, auf der es sich 3 Baumlöwinnen bequem gemacht hatten. Leider etwas weit entfernt, aber immerhin...

Weiter ging die Fahrt in ein Gebiet, wo weitere Kopjes, allerdings im kleineren Format, vorkamen. Dort sollte sich angeblich ein Leopard aufhalten und tatsächlich, wir trafen ihn an. Allerdings fest schlafend, so dass nicht mehr als ein Streifen seines Rückenfells sichtbar war. Also hieß es Aufbruch zur Lodge.

Als uns die Piste durch eine mit Wasser überflutete Furche führte, stöhnten wir bereits auf... allerdings war unser Fahrer Hamiss anderer Meinung: er stieg aus, prüfte den Boden und befand, dass er den Bus wohl ohne zu versinken, tragen würde... Auf ging's. Hamiss lenkte den Bus sanft und langsam und dann geschah es.... wir sanken mit einem Hinterrad ein und saßen in der Schlammgrube fest. Der Allrad wurde eingeschaltet und der Motor rörte und gab, was er konnte. Allerdings bewegten wir uns keinen Zentimeter weder vor noch zurück, wir sanken eher noch mehr ein... Langsam kam ein ungutes Gefühl auf, denn ein Ausstieg mitten in der Savanne wäre nicht nur nicht ganz ungefährlich, vor allem hätten wir das Ufer nicht trockenen Fußes erreichen können... aber da gab Hamiss alles, was der Motor gepaart mit seinen Fahrkünsten hergab und langsam, wirklich langsam befreite er sich Zentimeter für Zentimeter aus der Grube. Der Motor heulte, die Reifen drehten durch, das Gummi stank entsetzlich und die Grube hatte sich bestimmt schon zu einer warmen Schlammpackung aufgeheizt. Und da geschah das unmögliche... die Reifen bekamen wieder festeren Grund zu packen und so konnten wir doch trockenen Fußes der Schlammgrube entfleuchen.... Ich wette, die Reifen glühten, so wie sie stanken.... aber scheinbar ist so was bei den heimischen Fahrern totale Nebensache, denn unbeeindruckt (aber doch erleichtert) ging es dann endgültig zur Lodge wo wir nach einem kurzen hin und her unsere Zimmer beziehen konnten.

Der Name der Seronera Wildelife Lodge leitet sich vom Seronera-River ab, der die Lodge in einer U-förmigen Schleife umfließt. Die Lodge liegt etwa 330 km von Arusha entfernt und wurde 1972 erbaut. Sie fügt sich, auf der Spitze eines Kopjes gelegen, grandios in die Landschaft ein. Die riesigen Felsbrocken sind Teil der Lodge und ersetzen hier und dort Wände.

Um 16:00 Uhr starteten wir erneut, um die nähere Umgebung zu erkunden. Die 3 Baumlöwinnen hatten ihren Platz nicht verlassen und dösten im Geäst vor sich hin.

Zuerst fuhren wir zum Serengeti Center, eine in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft angelegte Freiluftausstellung mit Schautafeln und Videos. Mit viel Sinn fürs Detail wurden eigenständige Ausstellungsgebiete über Geschichte, Naturgeschichte, Geologie, Ökologie, Management und Erhaltung der Serengiri gezeigt. Bernhard Grzimek begegnet man natürlich auf Schritt und Tritt, wenn auch nur auf Schautafeln und Pappaufstellern. Auch hier verewigte ich mich im „goldenen“ Gästebuch des Museums!

Rastlos ging die Tour am Flussufer des Seronera-Rivers weiter, die Augen immer links, rechts, vor und hinten, um ja kein Tier zu verpassen, aber bis auf ein einsames Warzenschwein, Giraffen und Marabus tat sich wenig bis nichts. Also fuhren wir zum Leopardenfelsen zurück, in der Hoffnung, dass er a) überhaupt noch da und b) nun besser zu sehen war. Unsere Hoffnungen wurden endlich mal erhört! Das Kerlchen war wach und hatte sich halbwegs in Position gelegt. Mit verschlafen-verträumten Blick wurden wir seinerseits beobachtet. Wir waren somit in der Tat Auge in Auge! Die Sonne war bereits in Untergangsstimmung und so gestaltete sich das Fotografieren gegen das Licht etwas schwierig. Auf dem Heimweg beobachteten wir noch einen wundervollen Sonnenuntergang über der Savanne der Serengeti. Die Kopjes versanken im Abendrot. Dann wurde es sehr fix dunkel und die Zeit drängte, in die Lodge zurückzukehren, denn die Autos dürfen nur mit Abblendlicht fahren und die Tierwelt ist nachts reichlich aktiv. Wie aktiv, sollten wir noch früh genug erleben...

Aber vorher galt es, im halbdunkeln einen fremden Jeep aus dem Morast zu befreien, der sich ebenfalls festgefahren hatte. James und Hamiss fackelten nicht lange und unterstützen die Befreiungsversuche des fremden Fahrers, indem Hamiss das Lenkrad übernahm und James mit aller Kraft hinten anschob. Nach einigen uns schon bekannten Aufheulern des Motors sowie Quietschen und Gummigestank schaffte er es, auch diesen Wagen auf sicheres Terrain zu bringen.

Kaum hatten wir unsere Heimfahrt für 100 m fortgesetzt, stießen wir auf eine Hyäne, die sich auf die Nachtjagd begeben hatte. Maulen, knurrend und geifernd gab sie den Weg dennoch frei. Nach einem weiteren 150 m Stück durch die Dunkelheit standen sie dann vor uns! ELEFANTEN! Eine kleine Herde hatte sich mitten auf der Piste versammelt und blockierte sie somit. Natürlich wurden wir auch hier sehr mürrisch gewittert und beäugt und äußerst widerwillig gaben sie dann letztendlich doch auch hier den Weg frei, allerdings nicht ohne nochmals ganz deutlich mit Ohrenwedeln und Trompeten zu betonen, dass dies wirklich nur die Ausnahme gewesen sei....

Dann kamen wir wieder an unserer „Löwenakazie“ vorbei die nun aber leer war. Die Ladys hatten sich wohl auch hier auf die nächtliche Jagd begeben, dachten wir, da das 3. Weibchen nun doch noch in der letzten Sekunde vor den Bus springen musste, um die Piste zu überqueren. Unser Bus kam leicht ins schleudern und wir sahen noch ihr elegantes Hinterteil im hohen Elefantengras verschwinden....

Nun hatten wir an dem Abend bei Dunkelheit fast mehr Tiere gesehen, als an dem gesamten Tag zusammengerechnet... auf jeden Fall spannender!

Nach einem üppigen Abendessen und einer kühlen Blonden ging es wieder zeitig zu Bett, weil der nächste Morgen einen noch zeitigeren Aufbruch zum Ngorongoro Krater versprach....

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