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Wissenschaftliche Bezeichnung: Orycteropus afer

Verbreitung: Afrika

Mit dem einzigen noch lebenden Vertreter der Ordnung der Röhrchenzähner (Tubulidentata), dem Erdferkel, stellt sich uns der letzte, stark spezialisierte und dennoch altertümliche Nachkomme der ansonsten ausgestorbenen Urhuftiere (Protungulata) vor. Wir können ihn getrost als »lebendes Fossil« bezeichnen. Vermutlich entwickelten sich die Urhuftiere in Afrika, wo das Erdferkel auch heute noch zu Hause ist. Der Typ des heutigen Erdferkels lebte bereits im mittleren Tertiär (Miozän, vor 15 Millionen Jahren).

Gebiss Der Name der Ordnung Röhrchenzähner gibt schon einen Hinweis auf den charakteristischen Bau dieser Zähne, der im Tierreich in ähnlicher Form nur noch bei den Haien und Rochen wiederkehrt. Die säulenförmigen Zähne sind wurzellos und können zeitlebens nachwachsen. Sie werden nicht wie bei allen übrigen Säugetieren um eine Zahnpulpa abgeschieden, sondern bestehen aus vielen, etwa sechseckigen Röhrchen, die parallel nebeneinander stehen, und zwar in der Längsrichtung des Zahnes. In der Mitte einer solchen Säule befindet sich ein zylindrischer Kanal, der mit einem Teil des Zahnmarks ausgefüllt ist. Diese prismenförmigen Säulen werden von einer zementartigen Schicht ummantelt und darin eingebettet. Zahnschmelz wie bei den übrigen Säugetierordnungen finden wir nicht.

Gestalt Erdferkel haben eine plumpe, gedrungene Gestalt. Ihren Namen verdanken sie der schweineartigen, endständigen Rüsselscheibe ihrer langen Schnauze, der Tatsache, dass sie sich im Boden tiefe Höhlen graben und dem Wohlgeschmack ihres Fleisches, das Ähnlichkeit mit dem des Wildschweins aufweisen soll. Ansonsten lassen sich Erdferkel nur schwer in ihrer Gestalt mit anderen Tieren vergleichen. Eine »Mischung zwischen Schwein und Känguru« dürfte das Aussehen dieses urtümlichen Tieres noch am ehesten charakterisieren.

Der kurze Hals verbindet den lang gestreckten Kopf mit einem massiven Körper. Die verschließbaren Nasenöffnungen dieses typischen Grabtieres stehen etwas im Widerstreit mit den großen, tütenförmigen Ohren, jedoch im Einklang mit den eher kleinen Augen. Sie besitzen eine nur mit Stäbchen besetzte Netzhaut, die also für das Sehen bei Dämmerung und im Dunkeln optimal angepasst ist, jedoch keine Farben wahrnehmen kann. Der runde Rumpf mit den stämmigen Gliedmaßen geht über in einen muskulösen, runden, spitzendigen Schwanz, der an seiner Wurzel einen Umfang von etwa 40 cm aufweist. Dieser Schwanz ähnelt dem eines Kängurus außerordentlich und wird u. a. auch wie ein solcher als Stütz- und Balanceorgan benutzt.

Der känguruartige Eindruck wird durch die ungleiche Länge der Gliedmaßen noch verstärkt. Die vier zu kräftigen Grabklauen entwickelten Zehen der kürzeren Vordergliedmaßen sind vortreffliche Brech- und Grabwerkzeuge, und alles, was mit Hammer und Meißel zu zerstören ist, fällt auch diesen natürlichen Brecheisen zum Opfer. Die Hinterbeine sind länger, tragen kürzere Krallen und an den Füßen Sohlenschwielen. Trotzdem treten die Erdferkel mit allen vier Füßen als Zehengänger auf. Die verhornten Sohlenschwielen sind ein Zeugnis für die kennzeichnende Art der Erdferkel, Termitenbauten aufzubrechen. Dabei sitzen die Tiere in Hockstellung vor den Termitenhügeln und graben mit den Vorderklauen. Die Hinterfüße setzen dabei mit den Hornschwielen, sozusagen als »Sohlensitzer«, auf dem Boden auf. Nach hinten übernimmt der Schwanz die Abstützung.

Die rötlichgraue Haut der Erdferkel ist derb und lederartig und nur spärlich mit Grannenhaaren bedeckt.

Lebensweise Als nachtaktive Tiere, die wir nur nach kühlen Nächten (gelegentlich in den frühen Morgenstunden beim Sonnen) auch tagsüber antreffen, bewohnen die Erdferkel alle Landschaften Afrikas bis zu einer Höhe von 2000 m, vom Urwald bis zur Savanne. Ihrer grabenden Lebensweise entsprechend, meiden sie allerdings feuchte oder harte Böden. Sie sind Einzelgänger, die nur zeitweise während der Brunstperiode für kurze Zeit paarweise leben. In nahrungsreichen Gebieten sind die Weibchen ortstreu und leben in festen Territorien mit festen Wechseln zu ihren Futter- und Wasserstellen. Oft spielt sich beim Besuch der im Wohngebiet liegenden Termitenbauten ein fester Rhythmus in der Reihenfolge des Aufsuchens ein. Auf diese Art und Weise pendelt sich im Laufe der Zeit ein stabiles Gleichgewicht zwischen dem Plündern der Termitennester und dem Neuaufbau bzw. der Reparatur durch die Termiten ein. Weibchen in nahrungsärmeren Gebieten - wie auch alle Männchen - vagabundieren, wobei sie manchmal bis zu 30 km in einer Nacht zurücklegen.

Den Tag verschlafen die Tiere in einer selbstgebauten Erdhöhle, die aus einem 2-3 m langen und etwa 40 cm breiten Zugangstunnel und einem Endkessel besteht. Der Endkessel ist von rundlicher Form und hat keine besondere Auspolsterung, von ein wenig lockerer Erde einmal abgesehen. In geeigneten Böden graben die Erdferkel einen solchen Wohnbau mit erstaunlicher Geschwindigkeit und sind dabei weder von Mensch noch Tier aufzuhalten. Ein grabendes Erdferkel, plötzlich überrascht, verankert sich derart mit seinen Klauen im Erdreich, dass ein Mensch es nicht an seinem Schwanz an die Erdoberfläche zu ziehen vermag. Diese Eigenschaft teilen die Erdferkel übrigens mit den südamerikanischen Gürteltieren.

Neben der Aufgabe als Schutzhöhle vor Feinden, als Schlafplatz und Wochen- oder Kinderstube erfüllt die Erdhöhle eine weitere wichtige biologische Funktion: Weil ein Unterhautfettgewebe fehlt, ist die körpereigene Wärmeregulation der Erdferkel nur äußerst unvollkommen. Dies ist jedoch für die Lebenstüchtigkeit der Tiere von untergeordneter Bedeutung, wie Messungen der Temperatur innerhalb der Endkessel der Baue beweisen: Innerhalb des Wohntraktes der Höhle herrscht eine konstante Temperatur von etwa 24 °C. Das entspricht genau der Wärme, die die Tiere nachts außerhalb ihres Baues in ihren Wohngebieten vorfinden. So erübrigt sich für die Erdferkel eine aufwendige körpereigene Wärmeregulierung.

Die Erdferkel verlassen die Höhle auf eine sehr charakteristische Weise: Nach längerer Zeit des Sicherns im Höhleneingang springt das Tier plötzlich blitzartig ins Freie hervor und entfernt sich mit ein paar weiten Sprüngen eine Strecke von seinem Bau. In sicherer Entfernung hält das Erdferkel erst einmal inne, bleibt wieder einige Zeit regungslos sitzen, wittert nach eventuellen Gefahren und begibt sich schließlich in leichtem Trab auf Nahrungssuche. Dabei klettern Erdferkel nie, können aber recht gut schwimmen.

Der Nahrungssuche dient der ausgezeichnete Geruchssinn, der die Tiere zu den Termiten führt. Das Gehör ist ebenfalls außerordentlich hoch entwickelt. Der Gesichtssinn ist, wie schon erwähnt, nur auf Schwarz-Weiß-Empfindung eingerichtet.

Da Erdferkel sich häufig neue Höhlen graben, findet sich in ihren Wohngebieten oft eine größere Anzahl von verlassenen Bauen. Sie werden gern von sehr vielen anderen Tierarten angenommen, ja das Vorkommen mancher Tierarten ist in etlichen Gegenden vom Vorhandensein leerer Erdferkelhöhlen abhängig. Dies gilt besonders für Warzenschweine, die oft mit ihrer ganzen Sippe dort hausen. Schakale, Hyänen, Schleichkatzen, Nager und Vögel und sogar eine Fledermausart verbringen in diesen günstigen Unterschlupfen den Tag. Besondere Bedeutung haben die Baue aber als Zufluchtsort für Tiere jeder Art, wenn Buschfeuer ihren Lebensraum verwüsten.

Nahrung Wie schon erwähnt, bilden in freier Wildbahn Termiten die Hauptnahrungsquelle der Erdferkel. Die massiven Bauten dieser Insekten öffnen die Erdferkel mit ihren kräftigen Grabklauen, oder sie nehmen die Termiten auf deren Wanderstraßen auf. Hierbei bedienen sie sich ihrer sehr langen, riemenförmigen Zunge, die durch sehr viel klebrigen Speichel zur »Leimangel« für die Termiten wird. An den Termitenbauten sieht man häufig auch die Erdferkel, wie sie direkt mit der Schnauze an einer Öffnung saugen. Aber weder das mühsame Aufbrechen der massiven Termitenburgen noch das Saugen an natürlichen oder künstlich geschaffenen Öffnungen kann den Nahrungsbedarf der Erdferkel decken. Deshalb sind sie darauf angewiesen, die Tausende von Individuen zählenden Kolonnen von ausgeschwärmten Termiten, etwa die »Erntetermiten« der Gattung Trinervitermes, ausfindig zu machen.

Fortpflanzung Die Fortpflanzungsbiologie der Erdferkel ist - wie so vieles aus dem Leben dieser eigenartigen Tiere - bisher wenig geklärt. Vermutlich sind Würfe das ganze Jahr über möglich. Aus den verschiedenen Teilen Afrikas sind unterschiedliche Paarungs- und damit natürlich auch Wurfzeiten bekannt. Die Tragzeit scheint rund 7-71/2 Monate zu dauern.

Im Endkessel der Wohnhöhle, der für die Geburt nicht besonders hergerichtet wird, bringt das Weibchen gewöhnlich ein fleischfarbenes, nacktes Junges zur Welt, das mindestens 2 Wochen in der Höhle bleibt. Selten werden einmal Zwillinge geboren. Nach etwa 2 Wochen beginnt das Junge, die Mutter auf ihren Nahrungsstreifzügen zu begleiten. Jetzt gräbt das Weibchen in jeder Woche eine neue Höhle, in die sie mit ihrem Jungen umzieht. Mit 6 Monaten gräbt das Jungtier seine erste eigene Höhle, noch ganz in der Nähe des mütterlichen Baues. Junge Männchen verlassen die Alte vor der nächsten Paarungszeit, weibliche Jungtiere dürfen auch nach der Geburt des nächsten Wurfes bei ihr bleiben. So sieht man nicht selten eine Mutter mit zwei Jungen verschiedenen Alters.

Die Behaarung der Jungtiere nimmt bis zu einem Alter von etwa einem Jahr ständig zu, erreicht dann ihre größte Dichte und wird allmählich immer spärlicher.

Feinde Vom Menschen abgesehen, hat das Erdferkel nur sehr wenige Feinde. In erster Linie sind hier Löwe, Hyäne und Leopard zu nennen, die in ihrer Jagd auf die Erdferkel wegen deren eigentümlicher Lebensweise nur wenig erfolgreich sind. Selten dringt auch einmal eine Riesenschlange, ein Python etwa, in den Bau ein und verschlingt die Nachzucht. Wird es verfolgt, sucht das Erdferkel meist sein Heil in der Flucht. Es beginnt seinen Rückzug mit weiten Sprüngen und geht, nachdem es seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hat, in einen schnellen Trab über. Wird es einmal so überraschend gestellt, dass weder die Flucht noch die Möglichkeit des schnellen Eingrabens verbleibt, wirft es sich auf den Rücken und schlägt besonders mit seinen Vorderfüßen nach dem Gegner, während es die Hinterfüße schützend über den Leib legt. Eventuell dient auch das gelegentlich beobachtete Zustopfen des Höhleneingangs mit Erde der Feindabwehr.

Bestand Erdferkel sind in ihrem Lebensraum nicht häufig und werden von den Einheimischen verfolgt.

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