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Wissenschaftliche Bezeichnung: Ploceidae

Verbreitung: Afrika, Australien, Europa, Asien

Die Familie der Webervögel umfasst heute 9 Unterfamilien, deren systematische Eingliederung durchaus nicht einheitlich gehandhabt wird und vor allem nicht allein mit der namengebenden Verhaltensweise des Nestbauens zu begründen ist. Das Weben - d. h. das überaus sorgfältige Zusammenfügen von pflanzlichen Nestbauteilen mit speziellen Knoten oder mit »Kette und Schuss« - wird tatsächlich nur von den Vertretern aus 4 Unterfamilien ausgeführt: eigentliche Weber (Ploceinae); Sperlingsweber (Plocepasserinae, auch Siedelweber); Widavögel (Euplectinae); Dickschnabelweber (Amblyospizinae). Hier sieht man das rundliche Nest mit oberem seitlichem Eingang als ursprünglich an, während die abgeleiteten Formen eine Art »Retorte« ohne oder mit langer Einflugröhre bauen.

Bemerkenswert ist, daß auch die Sperlinge (Unterfamilie Passerinae, z. B. der Haussperling) sorgfältige Nester in Bäumen bauen können, wenn keine geeignete Höhle vorhanden ist, die das unordentlich zusammengefügte napfförmige Nest schützt. Andere Vertreter dieser Unterfamilie haben diese Bauweise nicht erhalten können (Schneefink). Die Bartstrichweber (Unterfamilie Sporopipinae) bauen zwar rundliche Nester, diese aber sehr unordentlich.

Die Aufgabe des Nestbaues wird normalerweise vom Männchen übernommen (nicht bei den Sperlingen), trotz der besonders bei den Webervögeln häufig auftretenden »Vielehe«. Als besondere Nestform sind die Gemeinschaftsnester der Büffelweber (Unterfamilie Bubalornithinae) und der Siedelweber anzusehen, die sich zu gewaltigen Bauwerken entwickeln können. Hier wird ein Teil der Arbeit von mehreren Männchen gemeinsam geleistet.

Zwei Unterfamilien, die Kuckucksweber (Anomalospizinae) und die Witwen (Viduinae), bauen überhaupt keine Nester, sondern betätigen sich als Brutschmarotzer bei anderen Vogelarten. So müssen andere, vor allem anatomische Kriterien für die systematische Abgrenzung dieser Singvogelfamilie eintreten, die auch die Abtrennung gegenüber den im Ursprung näher verwandten Prachtfinken ermöglichen. Hierfür werden u. a. Schädelmerkmale und auch die Anordnung der 10 Handschwingen herangezogen. Nimmt man das Verhaltensrepertoir hinzu, zeigen sich die Prachtfinken allerdings als viel starrer und primitiver. In der Flexibilität des Verhaltens erweisen sich die Webervögel durchaus den Finken als ebenbürtig, in deren Nähe manche Zoologen die Sperlinge auch stellen.

Verbreitung Das Hauptverbreitungsgebiet der altweltlichen Webervögel liegt in Afrika südlich der Sahara. Hier ist auch der Ursprung der Arten zu sehen, die das gemäßigte Europa und Asien sowie Südasien und Australien besiedelt haben. Nur wenige Arten sind in Mitteleuropa zu finden; hierzu gehören der Haussperling (Passer domesticus), der Feldsperling (Passer montanus) und der Schneefink (Montifringilla nivalis). Durch menschliche Mithilfe wurde der Haussperling in vielen Teilen der Welt angesiedelt.

Lebensweise Die meisten der überaus geselligen Webervögel bewohnen offene Graslandschaften oder Baum- und Buschland; nur wenige konnten in den Wald vordringen oder haben sich in den Kulturflächen eng an den Menschen angeschlossen. Anderen Arten ist die Anpassung an extreme Trockengebiete oder Hochflächen gelungen. Die Vögel leben von Körnern, vorwiegend Grassamen, und Insekten.

Merkmale Die Körperlänge schwankt zwischen 11 cm (Bartstrichweber) und 24 cm (Büffelweber). Nur die männlichen Widavögel erreichen im Brutkleid durch die verlängerten Schwanzfedern bei einer Art (Hahnschweifwida, Coliuspasser progne) eine Gesamtlänge von etwa 60 cm. Allgemein erinnern der Körperbau und der kurze, starke Schnabel an die Finken. Während beide Geschlechter im Ruhekleid meist sehr unscheinbar graubräunlich gefärbt sind, kann das Männchen bei vielen Arten ein recht auffälliges Prachtkleid anlegen.

Eigentliche Weber (Unterfamilie Ploceinae) Von den 68 hier zusammengefassten Arten sind nur 5 im indomalaiischen Raum und 2 auf Madagaskar verbreitet, die anderen bewohnen Afrika südlich der Sahara. Bis auf die typischen Waldbewohner sind die Vögel sehr gesellig und nisten auch häufig in größeren Kolonien, die bis zu 200 oder mehr Einzelnester enthalten können. Dabei kann ein einziger Baum eine Vielzahl von Nestern tragen. Auch außerhalb der Brutzeit trifft man die Vögel in großen Scharen an. Manche Weber ernähren sich vorwiegend von Insekten, andere bevorzugen Grassamen oder - im Falle der Waldbewohner - die Früchte von Bäumen und Sträuchern.

Im Ruhekleid wie die Weibchen sperlingsartig gefärbt, legen die Männchen oft ein farbenprächtiges Brutkleid an, in dem die Farben Gelb, Rotbraun und Schwarz vorherrschen; davon weichen nur die rotschwarzen Prachtweber (Gattung Malimbus) ab.

Lebensraum Die besiedelten Biotope können recht unterschiedlich sein; doch nutzen die meisten Arten baum- und buschreiche Kulturlandschaften in der Nähe eines Gewässers. Das trifft für die südostasiatischen Formen, z. B. den Bajaweber (Ploceus philippinus), der als Schlafplatz dichte Schilfbestände aufsucht, ebenso zu wie für viele Vertreter der afrikanischen Gattung Steppenweber (Textor; z. B. Goldweber, Textor subaureus; Maskenweber, Textor velatus; Gilb- oder Pirolweber, Textor galbula). Die Steppenweber kommen auch gut mit trockeneren Lebensräumen zurecht, jedoch ist der Beginn der Brutzeit mit dem Einsetzen der Regenzeit gekoppelt. Der Textor- oder Dorfweber (Textor cucullatus) brütet besonders gern in der Nähe menschlicher Siedlungen. Weit in den Nordosten Afrikas konnte der Larvenweber (Hyphantornis abyssinicus) vordringen, während die Prachtweber (Gattung Malimbus) sich dem tropischen Urwald angepasst haben.

Nistverhalten Das Nistverhalten wurde bei den Steppenwebern (Gattung Textor) besonders gut untersucht. Das Männchen schafft die äußere Nestanlage bereits vor der Verpaarung. Im Gezweig oder zwischen Schilfhalmen wird zunächst ein sorgfältig gewebter Ring aus Pflanzenfasern angelegt, der nach beiden Seiten zu einem kugelförmigen Nest erweitert wird. Der Eingang befindet sich an der Unterseite und kann zu einer Röhre ausgezogen sein.

Das Männchen führt den Weibchen das fertige Nest vor. Diesen bleibt die Wahl des Partners überlassen. Hat sich ein Weibchen schließlich für ein Nest entschieden, wird es von dem dazugehörigen Männchen begattet. Nun muß der Hahn sich beeilen, denn bevor die Eiablage am darauf folgenden Tag einsetzt, fällt ihm die Aufgabe zu, das Nest auszupolstern. Brütet das Weibchen erst auf dem Gelege, kann das Männchen längst das nächste Nest begonnen haben, um weitere Partnerinnen zu gewinnen. In größeren Kolonien wurde dagegen beobachtet, dass sich die Männchen durchaus am Brutgeschäft beteiligen können.

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