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Wissenschaftliche Bezeichnung: Laniidae

Verbreitung: Europa, Afrika

Den Würgern mit ihrem unheilverheißenden Namen wurde in Europa noch in jüngster Zeit oft nachgestellt, um die Arten zu dezimieren. Nicht nur das Verhalten, sondern auch die Form des Schnabels erinnerten den Menschen an die Falken. So wurden die Würger unter die kleineren »Raubvögel« eingeordnet. Heute ist der Bestand in den europäischen Siedlungsräumen erheblich zurückgegangen, was neben der Bejagung ebenso auf die Veränderung der Lebensräume und klimatische Schwankungen zurückzuführen ist.

Bei der Zuordnung zu den »Raubvögeln« war dem Menschen entgangen, dass die Nahrung der Würger sich hauptsächlich aus Insekten zusammensetzt und die Vögel deshalb - im wirtschaftlichen Sinne - nützlich sein können. Vielmehr fiel dagegen das Verhalten des Raubwürgers (Lanius excubitor) ins Auge, der auch im Winter seine Brutgebiete in Mittel- und Nordeuropa nicht verlässt, sondern vielmehr in die Nähe menschlicher Siedlungen zieht, um hier - ebenfalls überwinternde - Singvögel zu erbeuten. Hierzu zählen sogar größere Vögel wie Amseln und Drosseln. Daneben sollte nicht verkannt werden, dass kleinere Vögel und viele andere kleine Wirbeltiere auch ganzjährig von den großen Würgerarten »geschlagen« werden.

Merkmale Charakteristisch für die kleinen bis mittelgroßen Würger (14-31 cm Körperlänge) ist ihr kräftiger, seitlich zusammengedrückter Schnabel mit dem starken, abwärts gekrümmten Haken an der Spitze des Oberschnabels. Die Schneiden des Oberschnabels tragen zudem beidseitig je einen scharfen Hornzahn, der vorzüglich dazu geeignet ist, selbst hart gepanzerte Insekten zu knacken. Das typische Flugbild der vom Körperbau her recht gedrungen wirkenden Vögel wird durch den verhältnismäßig langen, gerundeten oder gestuften Schwanz bestimmt.

Verbreitung, Systematik Die moderne Systematik teilt die Familie in 4 Unterfamilien mit unterschiedlichen Verbreitungsgebieten ein. Während die Brillenwürger (Unterfamilie Prionopinae) und die Buschwürger (Unterfamilie Malaconotinae; Ausnahme: Dorntschagra, Tchagra australis aus Australien) auf den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara beschränkt sind, sind die eigentlichen Würger (Unterfamilie Laniinae) in der Alten Welt mit Ausnahme von Australien und Neuguinea zahlreich vertreten und konnten mit 2 Arten sogar Lebensräume der Neuen Welt besiedeln. Noch unsicher ist die tatsächliche Verwandtschaft des Kahlkopfwürgers (Pityriasis gymnocephala, Unterfamilie Pityriasinae), der nur auf Borneo vorkommt.

Offene Flächen, die ab und zu von Wäldern, Hecken und einzelnen Bäumen unterbrochen sind, bilden die bevorzugten Lebensbereiche.

Eigentliche Würger (Unterfamilie Laniinae) Sie umfassen 3 Gattungen mit 25 Arten. Würger sind sehr verschieden gefärbt und trotz der überwiegend gedeckten Farbtöne (Schwarz, Grau, Weiß, Rotbraun) oft recht auffällig gezeichnet.

Lebensweise Einige Arten sind häufig auf erhöhten Warten zu beobachten, von denen aus sie sich auf ihre Beute herabstürzen können. Sie besteht überwiegend aus Insekten, dazu kommen - vor allem bei den größeren Arten - Kriechtiere, Lurche, kleine Vögel und Mäuse. Andere Arten leben versteckter und suchen ihre Nahrung direkt von Bäumen und Büschen ab.

Rufe Oft lassen die Würger ihren Gesang hören, der für Vögel dieser Größe erstaunlich leise ist. Im allgemeinen klingen die Rufe sehr rauh, manche Arten verfügen aber über sehr melodische Lautäußerungen. Die Warnrufe sind sehr scharf und werden auch von vielen anderen Vögeln im gleichen Lebensraum erkannt.

Raubwürger Der schwarz-weiß-graue Grau- oder Raubwürger (Lanius excubitor; 24 cm Körperlänge) ist in zahlreichen Unterarten weit über Europa und Nordafrika ostwärts bis Mittel- und Ostsibirien sowie in Nordamerika verbreitet. In der kälteren Jahreszeit verlassen nur die nördlichsten Populationen ihr Brutgebiet; die anderen verhalten sich als Strichvögel oder verteidigen - als Ausnahme unter den Standvögeln - auch im Winter ihr Brutrevier als Nahrungsrevier.

Bei uns steht der Raubwürger auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.

Neuntöter Der Neuntöter oder Rotrückige Würger (Lanius collurio; 17 cm lang) bewohnt während der Brutzeit fast ganz Europa bis in die Mittelmeerländer (ohne Spanien), Kleinasien und Westsibirien. Aus seinen Überwinterungsgebieten trifft er in Mitteleuropa erst im Mai ein und verlässt das Gebiet schon sehr früh im August oder Anfang September. In Deutschland ist dieser Würger noch an vielen Stellen Brutvogel und bevorzugt Waldränder, Schonungen und offenes Gelände mit Büschen und Hecken als Aufenthaltsort. Oft kehren die Neuntöter über Jahre hinweg in das gleiche Brutrevier zurück.

Gestalt Im Gegensatz zu den anderen Würgerarten unterscheiden sich beim Neuntöter die Geschlechter in der Färbung. Das Männchen hat einen hellgrauen Kopf und einen schwarzen Augenstreifen; der Kot des Weibchens ist rostrot, die Körperflanken tragen eine Wellenzeichnung.

Lebensweise Der Neuntöter fällt nicht nur während der Balzzeit durch sein Verhalten besonders ins Auge. Er wählt gern freie Aussichtsplätze auf nicht zu hohen Bäumen oder Büschen, von denen aus er seinen Lockruf ertönen läßt oder nach Nahrung Ausschau hält. Größere und kleinere Vögel werden vom Neuntöter »unerschrocken« angegriffen und aus dem Revier vertrieben. Oft rudert er heftig mit dem Schwanz nach allen Seiten. Wie alle Würger, überwindet auch der Neuntöter nur ungern größere Strecken im Flug. So fliegt er meist geradlinig zum nächsten Ansitz.

Neben vielen anderen Insekten erbeutet der Neuntöter auch Hummeln und Wespen, die er geschickt im Fluge fängt. Bevor er eine Wespe verschluckt, streicht er mit dem Schnabel alle Eingeweide und den Stachelapparat aus dem Hinterleib heraus und streift alles Unverträgliche an einem Zweig ab. Oft werden erbeutete Insekten oder kleine Wirbeltiere in Vielzahl nebeneinander - daher der Name »Neuntöter« - auf Dornen oder spitzen Ästen regelrecht aufgespießt. Die Deutung dieser angeborenen Verhaltensweise läuft darauf hinaus, dass sie entweder der Vorratshaltung oder dem »bequemeren« Verzehr der Beute dient. Für beide Möglichkeiten gibt es eindeutige Hinweise.

Brut Oft finden sich die vorjährigen Geschlechtspartner erneut zusammen. Während das Männchen Nistmaterial herbeischafft, übernimmt das Weibchen den eigentlichen Nestbau. Bei anderen Würgerarten wird die ganze Arbeit vom Männchen geleistet. Verwilderte Zaun- oder Feldhecken bieten geeignete Neststandorte. Das Nest ist dickrandig, ziemlich groß (12-15 cm Durchmesser) und wird aus Halmen, Stängeln und Moos fest zusammengefügt. In der ausgepolsterten Nestmulde liegen 5-6 Eier, die überwiegend durch das Weibchen bebrütet werden, während das Männchen füttert. Wenn die Jungvögel nach 14-16 Tagen geschlüpft sind, werden sie vom Weibchen gehütet, und das Männchen füttert zunächst allein weiter. Später bringen beide Altvögel Nahrung. Noch 3-4 Wochen nach dem Ausfliegen müssen die Jungen weiter versorgt werden.

Der Neuntöter steht bei uns auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten.

Weitere Arten Eine östliche Unterart des Neuntöters ist der Isabellwürger (Lanius collurio isabellinus), der in Mitteleuropa nur als Durchzügler oder Irrgast auftritt. In Teilen Europas sind außerdem der Schwarzstirnwürger (Lanius minor; 20 cm Körperlänge), der Maskenwürger (Lanius nubicus; 17 cm) und der Rotkopfwürger (Lanius senator; 17 cm) vertreten, der selten auch in Deutschland brütet.

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